LTE – 3.9 oder 4G?

Höhere Datengeschwindigkeit durch bessere 
Spektraleffizienz und breitere Frequenzbandnutzung

von Dr. Thomas Sinnwell

 

In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, was LTE den Endkunden und den Netzbetreibern bringen wird, und klären, ob die Langzeitentwicklung von UMTS (Long Term Evolution – LTE) bereits zum Start ein mobiles Breitbandsystem der 
4. Generation sein wird.

 

Die Bezeichnung LTE (Long Term Evolution) erschließt sich nicht intuitiv und ist erklärungsbedürftig. Startet man den Erklärungsversuch, so kommt man nicht ohne einen kleinen Rückblick auf die Hauptkomponenten der Mobilfunksysteme der 3. Generation und leider auch nicht ohne eine Menge von Abkürzungen aus:


LTE ist der Projektname eines aktuellen Third Generation Partnership Project (3GPP). Das Projekt startete im November 2004 und hatte die Langzeitentwicklung (Long Term Evolution) des Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) zum Ziel. UMTS ist ebenfalls ein 3GP-Projekt in dem als Zugriffsverfahren bei der Luftschnittstelle WCDMA
 (Wideband Code Division Multiple Access) ausgewählt wurde. Seit dieser Festlegung sind UMTS und WCDMA austauschbare Begriffe.

 

So ähnlich verhält es sich mit dem Begriff LTE, der mittlerweile untrennbar mit der darunterliegenden Technologie verknüpft ist. Diese wird als eine Evolution von UMTS beschrieben, obwohl UMTS und LTE aktuell wenig gemeinsam haben.

 

Das UMTS Radio Access Network (RAN) besteht aus zwei Hauptkomponenten, der UMTS-Luftschnitt-
stelle UTRA (UMTS Terrestrial Radio Access) und dem Zugangsnetz UTRAN (Terrestrial Radio Access Network). Zum UTRAN gehören die Radio Network Controller (RNC) und die Base Stations, die bei UMTS Node B (NB) genannt werden.

 

Da LTE als Langzeitentwicklung von UMTS zu verstehen ist, wurden die entsprechenden RAN-Komponenten bei LTE Evolved („entwickelter“) UTRA (E-UTRA) und Evolved UTRAN (E-UTRAN) genannt. Das Radio Access Network bei LTE unterscheidet sich aber erheblich, da in einem parallel laufenden 3GP-Projekt mit dem Namen System Architecture Evolution (SAE) das Core Network (CN) zu einem ausschließlich paketbasierten ALL-IP-Netz, das Evolved Packet Core (EPC) genannt wird, weiterentwickelt wird. Die Kombination aus Evolved Packet Core und Evolved RAN (E-UTRA und E-UTRAN) wird als Evolved Packet System (EPS) bezeichnet. Abhängig vom Kontext findet man in der Literatur unterschiedliche Bezeichnungen als Äquivalent zu LTE: E-UTRA, E-UTRAN, SAE, EPC und EPS. EPS ist die eigentlich korrekte Bezeichnung für das Gesamtsystem. Üblich sind aber die Bezeichnungen LTE/SAE oder auch einfach LTE.

 

Mobiles Breitband 
der 4. Generation

 

Nach diesem Abkürzungs-Wirrwarr stellt sich natürlich die Frage, was die Systeme der 4. Generation zur mobilen Breitbandkommunikation eigentlich bringen sollen: Ziel von 4G war und ist die schnelle drahtlose Breitbandübertragung, die erstmals Multimediaanwendungen in Quasi-Echtzeit ermöglicht.

Konkret bedeutet das, dass auch große Datenmengen problemlos übertragen werden können und dass Multimedia-Streams mit hoher Auflösung auf mobilen Endgeräten mit geringen Verzögerungen angeschaut und genutzt werden können.

 

Der interessierte Leser wird sich jetzt ggf. die Frage stellen:

Sollte das nicht schon bei UMTS der Fall sein? Dazu bleibt festzustellen, dass sich die in den Jahren 2000 bis 2003 in den Bereichen Produktmarketing der Hersteller und Netzbetreiber sowie der populärwissenschaftlichen Literatur kommunizierten UMTS-Features überwiegend an Laborbedingungen orientierten und die grundlegende Eigenschaft von zellularen Netzen, dass sich alle Teilnehmer innerhalb einer Zelle die vorhandene Bandbreite teilen müssen, meistens außer Acht ließen. Insbesondere aufgrund der zugewiesenen Frequenzbänder und der durch die technische Realisierung der Luftschnittstelle vorgegebenen Spektraleffizienz sowie der Komplexität des Core Network sind bei UMTS Multimediadienste, die sich wie Dienste im WWW verhalten, noch nicht realisierbar.1

 

Die Verbesserungen, die durch den High Speed Download Packet Access (HSDPA – 
UMTS Release 5) und den High Speed Uplink Packet Access (HSUPA – UMTS Release 6) erreicht wurden, waren ein wichtiger Schritt hin zur mobilen Breitbandkommunikation. Details zu HSDPA und HSUPA können im switch! 1/2006 ab Seite 4 nachgelesen werden.

 

4G-Technologien

 

Die zwei führenden 4G-Technologien sind WiMAX (Worldwide Interoperability Microwave Access) und LTE. WiMAX hat das Potenzial, sich in Ländern, in denen es bisher nur eine rudimentäre Infrastruktur zur Übertragung von mobilen Daten gab, als das dominierende System zu etablieren. In Ländern, in denen es bereits eine funktionierende 3G-Technologie gibt, wird sich unserer Ansicht nach hingegen LTE klar durchsetzen. Der Vollständigkeit halber muss aber auch erwähnt werden, dass UMTS über die Release 6 hinaus weiterentwickelt wird.

 

Im Rahmen der weiteren Ausführungen wird daher ausschließlich LTE als führende 4G-Technologie betrachtet.

 

Anforderungen an LTE

 

Die Anforderungen der Industrie und der Netzbetreiber an LTE waren im Wesentlichen: keine Verschlechterung gegenüber dem Status quo, niedrigere Preise pro Bit, Interoperabilität mit anderen Radio-
Access-Technologien, hohe Übertragungsraten und geringe Latenzzeiten.2 [1], [2]

 

 

Neue Möglichkeiten für Unternehmen und Endanwender

 

Mit 4G können Unternehmen mobil arbeitenden Mitarbeitern Anwendungen zur Verfügung stellen, die zuvor auf die Nutzung im LAN beschränkt waren:

 

Unified Communications

4G bietet für mobile Endgeräte eine ausreichende Netzwerkleistung, so dass sie als vollwertige Firmentelefone, die Unified Communications Features bieten Unterstützung von PBX3-Funktionen, Integration von Voicemail, E-Mail, Firmen-Blogs usw.), in einem WAN eingesetzt werden können.

 

Virtual Collaboration

4G-Netze bieten eine ausreichende Downlink- als auch Uplink-Leistung, so dass hochwertige Video-Konferenzen mit mobilem Equipment unabhängig vom Aufenthaltsort der Teilnehmer möglich sind.

 

IPTV

Für Endanwender werden insbesondere 
IPTV und Stream-orientierte Anwendungen im Fokus stehen. Die Bandbreite und die Latenz bei 4G ermöglichen dabei erstmals, Video-Inhalte auf mobilen Endgeräten in guter Qualität und in Quasi-Echtzeit wiederzugeben. Aus denselben Gründen wird die Nutzung des Internets bei LTE in Kombination mit den Fähigkeiten von Smartphones deutlich mehr Spaß machen und den durch das iPhone massiv in Gang gesetzten Anstieg des 
Datenaufkommens in Mobilfunknetzen fortsetzen.

 

Breitband für alle

Im POLITIKDIALOG der Vodafone Deutschland beschreibt Matthias Kurth (Präsident der Bundesnetzagentur) die Breitbandstrategie der Bundesregierung: „Um die Versorgung dünn besiedelter Gebiete mit innovativen Mobilfunkanwendungen und die Bereitstellung von breitbandigen Internetanschlüssen im Sinne der Breitbandstrategie der Bundesregierung voranzutreiben, ist eine besondere Versorgungsverpflichtung für die Frequenzen der sogenannten Digitalen Dividende vorgesehen. Mit dieser Versorgungsverpflichtung wird der Weg für eine mobile breitbandige Internetversorgung im ländlichen Raum geebnet und damit die Voraussetzung für die gleichmäßige Schließung von bestehenden Versorgungslücken in allen Bundesländern geschaffen“ [3, Seite 2].

 

Die Digitale Dividende bezeichnet die Fre-quenzblöcke, die zwischen 792 MHz und 
862 MHz durch die Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens frei geworden sind. Diese Frequenzbereiche ermöglichen aufgrund der Wellenlänge eine besonders reichweitenstarke Funktechnologie, die es ermöglicht, auch ländliche Bereiche mit schnellem Internetzugang zu versorgen.Der CEO der Vodafone Deutschland Friedrich Joussen versichert dazu: „Es gibt nach der Auktion (Anmerkung: Gemeint ist die Versteigerung von 360 MHz Bandbreite durch die Bundesnetzagentur, die am 
20. Mai 2010 nach sechs Wochen und 224 Bieterrunden zu Ende ging) für jeden die Verpflichtung zum schnellen Ausbau. Wir haben auch gegenüber der Bundesregierung zugesagt, die ‚weißen Flecken‘ zügig abzudecken“ [3, Seite 5].

 

 

Technologien der 
Long Term Evolution

 

Um die Anforderungen von Netzbetreibern erfüllen zu können, kommen bei LTE drei grundlegende Technologien zum Einsatz:

 

  • Vielfachträger-Modulationsverfahren
  • Mehrantennensysteme
  • Anwendung der Paketvermittlung im Radio-Interface

 

Vielfachträger-Modulationsverfahren

Bei Vielfachträger-Modulationsverfahren werden innerhalb einer Taktperiode die von einem Sender zu übertragenden Bits auf verschiedene Trägerfrequenzen verteilt gesendet. Insofern handelt es sich auch um ein Multiplexverfahren.

 

Bei LTE wird im Downlink-Pfad Orthogonal Frequency Division Multiple Access (OFDMA) und im Uplink-Pfad Single Carrier Frequency Division Multiple Access 
(SC-FDMA) eingesetzt. Bevor auf die Gründe für die Verwendung von zwei unterschiedlichen Vielfachträger-Modulationsverfahren eingegangen wird, werden beide Verfahren kurz vorgestellt.

 

Orthogonal Frequency Division Multiplexing (OFDM) ist ein Vielfachträger-Modulationsverfahren, das bei Digital Video Broadcasting (DVB), Digital Audio Broadcasting (DAB) und verschiedenen WLAN-Standards sowie im Downlink-Pfad bei LTE verwendet wird. Bei LTE beträgt die Trägerbandbreite 15 kHz und die zu übertragenden Datenströme (Payload) werden durch Quadratur-Phasentastung (QPSK), 16-QAM- oder 64-QAM-Quadratur-Amplitudenmodulation auf komplexe Symbole abgebildet. Nach einer Serien-Parallel-Umsetzung werden N komplexe Symbole (Blocklänge ist N) auf Frequenzen fk moduliert und überlagert. Die enthaltenen Trägersignale sind über die Symboldauer T orthogonal, da die einzelnen Modulationsfrequenzen fk ganzzahlige Vielfache von 1/T sind.

 

Bei OFDM werden die Datenströme also auf viele orthogonale Träger moduliert. Dabei ist jeder Träger (Subcarrier) einem User fest zugeordnet. Orthogonal Frequency Division Multiple Access (OFDMA) erweitert OFDM um Eigenschaften des Time Division Multiple Access (TDMA): Die Symbole eines Users können für jede OFDMA-Symboldauer dynamisch einem Subcarrier zugewiesen werden. Durch die Erweiterung von OFDM um Eigenschaften des TDMA ergibt sich ein sehr flexibles Modulationsverfahren mit Multiplexeigenschaften, das sehr robust ist und gesteigerte Verbundkapazitäten ermöglicht. Abbildung 1 verdeutlicht diese Zusammenhänge. 

Die Robustheit des Systems resultiert aus der Möglichkeit, User unterschiedlichen Trägern (Subcarriers) zuzuweisen, um Schmalbandinterferenzen und die Stör-effekte von zeitvarianten Kanälen zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Kapazitätssteigerungen können wiederum durch die Bündelung von einzelnen Trägern in Abhängigkeit vom Bedarf der einzelnen User erreicht werden. Ein weiterer Vorteil von OFDM ist das 
relativ einfache Empfängerdesign durch Frequenzbereichsentzerrung [4, Seite 15]. Die geringen Komplexitätsanforderungen an die Empfänger in den mobilen Endgeräten sind dabei ein wichtiger Faktor für die Produktion von kostengünstigen
mobilen Endgeräten.

Im Gegenzug sind die Kosten für das Senderdesign bei OFDM relativ hoch, da die Peak-to-Average Power Ratio (PAPR)4 bei OFDM-Signalen hoch ist [4, Seite 15] und somit ein hochlinearer RF-Verstärker benötigt wird. Um eine ausreichende Funkzellenabdeckung zu erreichen, wird zudem eine hohe Ausgangsleistung benötigt, die die Standzeiten von mobilen Endgeräten drastisch verkürzen würde.

Insofern wird für den Uplink-Pfad der Single Carrier Frequency Division Multiple Access (SC-FDMA) eingesetzt. SC-FDMA ist ein Vielfachzugriffsverfahren, das die Vorteile von OFDMA, wie die Robustheit gegenüber Mehrwegeausbreitung und die Flexibilität eines Vielfachzugriffsverfahrens im Frequenzbereich, mit der Technik für Einzelkanalübertragungssysteme, die eine niedrige PAPR aufweisen, kombiniert.

 

Abbildung 2 zeigt eine vereinfachte Darstellung von OFDMA und SC-FDMA. In der Realität werden bei SC-FDMA die zu übertragenden Signale in sogenannten Resource Blocks (RB), die aus zwölf benachbarten Subcarriers bestehen, gesendet. Der Einfachheit halber werden in dem in Abbildung 2 dargestellten Vergleich zwischen OFDMA und SC-FDMA lediglich vier Subcarriers über zwei Symbolperioden betrachtet. Die Payload besteht dabei aus mit Quadratur-Phasentastung (QPSK) modulierten Daten.

Betrachtet man die Darstellung für OFDMA, so stellt man fest, dass jeweils vier Symbole parallel über vier Subcarriers übertragen werden. Da die QPSK-Symbole lediglich in der Phase moduliert sind, ist die Amplitude der einzelnen Symbole in den jeweiligen Trägern (Subcarriers) gleich.

 

Entgegen der Darstellung werden die Symbole zyklisch erweitert, um die Störungen durch die Mehrwegeausbreitung stark reduzieren zu können. In Abbildung 2 ist dieses Schutzintervall der Einfachheit halber als Lücke dargestellt und mit CP (Cyclic Prefix) bezeichnet. 

Bei SC-FDMA hingegen werden die vier QPSK-Symbole nacheinander innerhalb einer SC-FDMA-Symboldauer über vier Kanäle „gespreizt“ übertragen. Die OFDMA- und die SC-FDMA-Symboldauer sind bei LTE jeweils 66,7 µs. Die pa-
rallele Übertragung von modulierten Daten
bei OFDMA führt zu einer relativ hohen PAPR. Bei der seriellen Übertragung der QPSK-Daten innerhalb eines SC-FDMA-Symbols wird zwar die gleiche Bandbreite wie bei der parallelen Übertragung bei OFDMA benötigt, aber die PAPR ist niedriger und entspricht der PAPR der Original-symbole.

 

Mehrantennensysteme

Übertragungsmethoden, bei denen der Empfänger eine Auswahl zwischen mehreren Sendungen desselben Signals erhält, werden als Diversitätsverfahren bezeichnet. Diese Verfahren dienen der Verbesserung der Zuverlässigkeit von Systemen oder zur Erhöhung der Datenrate. Man unterscheidet dabei grundsätzlich:

 

Frequenzdiversität

Die Information wird in unterschiedlichen Frequenzbereichen übertragen. Dabei sollte der Abstand der Spektren größer als die Kohärenzbandbreite des Kanals sein, um unabhängige Schwundprozesse für die Kanäle voraussetzen zu können.

Frequency-Hopping-Verfahren, die z. B. bei GSM eingesetzt werden, sind Beispiele für Verfahren, die Frequenzdiversität nutzen.

 

Zeitdiversität

Systeme, die Zeitdiversität nutzen, übertragen die Information mehrmals zu verschiedenen Zeitpunkten bzw. in verschiedenen Zeitschlitzen, wobei die Wartezeit größer als die Kohärenzzeit des Kanals sein sollte, um sicherzustellen, dass sich die Übertragungsbedingungen geändert haben. Zeitdiversität kann folglich als Kanalcodierung mit Wiederholungscodes interpretiert werden. Auch für kleine Wartezeiten kann ein Diversitätsgewinn erzielt werden [6, Seite 78].

 

Raumdiversität

Kommt es zum Einsatz mehrerer Sende- und/oder Empfangsantennen, spricht man von Raumdiversität. Der Abstand der Antennen sollte so groß gewählt werden, dass unabhängige Schwundprozesse für die Kanäle angenommen werden können.

Als Faustregel gilt hier, dass der Abstand mehr als die Hälfte der verwendeten Wellenlänge betragen sollte. Aber auch bei korrelierten Kanälen können Gewinne erzielt werden [6, Seite 78]. Abhängig davon, welches Ende der Übertragungs-
strecke mit mehreren Antennen ausge-rüstet ist, unterscheidet man:

Empfangsdiversität, Sendediversität sowie eine Kombination aus Sende- und Empfangsdiversität.

 

Zur Beschreibung der Raumdiversität greift man auf verallgemeinerte Kanalmodelle zurück, die in vereinfachter Form für Radiokanäle in Abbildung 3 dargestellt sind. Die Abkürzungen stehen für:

 

SISO: Single Input, Single Output

MISO: Multiple Input, Single Output

SIMO: Single Input, Multiple Output

MIMO: Multiple Input, Multiple Output

 

Bei MIMO-Übertragungssystemen kann durch systematische Ausnutzung mehrerer Sende- und Empfangswege die Übertragungskapazität erhöht werden.

 

Anmerkung: Es kann analytisch gezeigt werden, dass die Kanalkapazität linear mit der Zahl der Antennen und der Zahl der Ausbreitungspfade steigt [6, Seite V]. Dank dieses Verfahrens können höhere Datenraten bzw. geringere Anforderungen an das Signal-Störleistungs-Verhältnis ohne eine Erhöhung der Sendeleistung oder der Bandbreite realisiert werden.

 

 

Packet-Switched Radio Interface

 

LTE wurde als ein ausschließlich mit Paketvermittlung arbeitendes System entwickelt. Die ganze Struktur des Netzwerkes wurde dabei deutlich vereinfacht.

 

Die Ressourcenzuweisung der Nutzer ist äußerst flexibel und wird jede Millisekunde neu entschieden. Das adaptive Scheduling betrifft sowohl die Frequenzdiversität als auch die Raumdiversität. Die Modulation und die Code-Rate werden ebenfalls adaptiv in Abhängigkeit von den Kanaleigenschaften und dem Bedarf angepasst.

 

Die LTE-Protokollstruktur ist in Abbildung 4 in vereinfachter Form dargestellt.

 

Leistungsmerkmale 
von LTE

 

Eine gesteigerte Performance gegen-über den bereits bestehenden Systemen war eine Hauptanforderung an LTE seitens der Mobilfunknetzbetreiber, um ein entsprechendes Marktinteresse wecken zu können. Als Bezugssystem, um die Performance-Anforderungen relativ zu einem bestehenden und erprobten System formulieren zu können, wurde für die Standardisierungsphase des ersten LTE-Systems UMTS in der Release 6 (HSDPA/HSUPA) herangezogen. Tabelle 1 enthält einige Schlüsselanforderungen an die Performance von LTE und den Vergleich zu UMTS Release 6.

 

UMTS wird kontinuierlich weiterentwickelt und die Performance-Ziele der Releases 7 und 8 liegen dicht an den Zielen für LTE. 
LTE hat aber den großen Vorteil, dass es keine Abwärtskompatibilität bieten muss und dass fortgeschrittene MIMO-Verfahren und flexible Zugriffsverfahren von Anfang an in der Architekturphase berücksichtigt wurden.

 

Abbildung 5 zeigt die Standardisierungsphasen und die korrespondierenden iterativen Prozesse.

 

3.9 oder 4G?

 

Derzeit wird bereits an Verbesserungen von LTE gearbeitet. Ein wesentlicher Grund dafür war der „Call for Technologies“ des internationalen Standardisierungsgremiums ITU (International Telecommunication Union). Die ITU hat im Rahmen von IMT-Advanced für die Systeme der 4. Generation (4G) die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit nochmals erhöht. Die einzelnen Verbesserungen sind in der 3GPP-Standardisierung unter LTE-Advanced zusammengefasst. Im September 2009 wurde LTE-Advanced als Technologiekandidat bereits in den IMT-Advanced-Prozess eingebracht. Die Detailspezifizierung hat im März 2010 begonnen und wird voraussichtlich Anfang 2011 im Sinne der ersten Iterationen (vgl. Abbildung 5) beendet sein.

Bei LTE-Advanced lassen sich bis zu fünf Trägerfrequenzen mit maximal 20 MHz Bandbreite bündeln. Dies wird als Carrier Aggregation (CA) bezeichnet. Da Mobilfunknetzbetreiber in der Regel kein durchgängiges Frequenzspektrum von 100 MHz zur Verfügung haben, unterstützt LTE-Advanced die Kombination von benachbarten und nicht benachbarten Trägern [9, Seite 89]. Carrier Aggregation (CA) ist keine völlig neue Idee und wurde erstmals bei EDGE verwendet. Es bleibt abzuwarten, inwieweit bzw. in welcher Form CA aufgrund der erhöhten Komplexität und der erhöhten Kosten umgesetzt werden wird.

 

LTE-Advanced unterstützt höherwertige MIMO-Verfahren zur Verbesserung der Spektraleffizienz mit jeweils bis zu acht Sende- und Empfangsantennen. 8x8 MIMO im Downlink führt beispielsweise zu einer theoretischen maximalen Spektraleffizienz von 30 Bit/s/Hz.

 

Darüber hinaus kommt bei LTE-Advanced ein verbessertes Uplink-Verfahren, In-Channel Relay zur weiteren Reduzierung von Interferenzen [5, Seite 422] sowie das Konzept der selbstoptimierenden Netzwerke [10, Seite 94] zum Einsatz.

 

Fazit

 

Bei der aktuellen Version von LTE handelt es sich im Sinne der ITU noch um eine Vorstufe der Systeme der 4. Generation. Insofern ist die Bezeichnung 3.9G zutreffend.

Unbenommen davon wird LTE erstmals Multimediaanwendungen in Quasi-Echtzeit ermöglichen, und das nicht nur unter Laborbedingungen.

 

Im Rahmen der Standardisierung von LTE wurden konsequent und frühzeitig Parameter berücksichtigt, die die tatsächliche Empfangs- und Sendesituation von Usern beschreiben. Zudem wurde der Gesamtsystemperformance im Rahmen der Standardisierung ein hoher Stellenwert eingeräumt.

 

Die im Marketing gerne verwendete Peak-Datenrate erlaubt Technikern zwar den Vergleich zwischen unterschiedlichen Mobilfunksystemen und die Ermittlung der maximalen Spektraleffizienz, beschreibt aber keinesfalls die reale Situation für Mobilfunknutzer. Durchschnittsdatenraten liegen unter der Peak-Datenrate und hängen von vielen Parametern ab (Durchschnittsdatenraten betragen etwa 30 bis 70 % der Peak-Datenrate). Gegenüber UMTS Release 6 wird LTE – auch in den Durchschnittsdatenraten – eine enorme Leistungssteigerung bedeuten. Betrachtet man Tabelle 1, so erkennt man, dass LTE sogar an den Zellrändern eine zwei- bis dreifach höhere Spektraleffizienz gegenüber UMTS Release 6 aufweist, was zu höheren Datenraten auch am Rand einer Mobilfunkzelle im Vergleich zu UMTS führen wird.

 

LTE eröffnet zudem durch die Nutzung der sogenannten Digitalen Dividende erstmals die Chance auf „Breitband für alle“.

 

 

Literatur- und Quellenverzeichnis:

[1] 3GPP TSG RAN TR 25.913 v7.3.0, Requirements for Evolved Universal Terrestrial Radio Access (UTRA) and Universal Terrestrial Radio Access Network (UTRAN)

[2] 3GPP TSG RAN TR 23.882 v1.15.1, 3GPP System Architecture Evolution: Report on Technical Options and Conclusions

[3] POLITIKDIALOG, Vodafone Deutschland, Ausgabe 1/2010

[4] Stefania Sesia, Issam Toufik, Matthew Baker, editors. LTE – The UMTS Long Term Evolution, John Wiley & Sons Ltd., West Sussex, United Kingdom, 2009

[5] Moray Rumney, editor. LTE and the Evolution to 4G Wireless, Agilent Technologies by John Wiley & Sons Ltd., West Sussex, United Kingdom, 2009

[6] Steffen Reinhardt. Einträgerübertragung mit Frequenzbereichsentzerrung, Dissertation, Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen, 2007

[7] David Astély, Erik Dahlman, Anders Furuskär, Ylva Jading, Magnus Lindström and Stefan Parkvall. LTE: The Evolution of Mobile Broadband, IEEE Communications Magazine, April 2009

[8] Erik Dahman, Stefan Parkvall, Johan Sklöd, Per Beming. 3G Evolution, Second edition, Academic Press, Burlington, 2008

[9] Guangxiang Yuan, Xiang Zhang, Yang Yang. Carrier Aggregation for LTE-Advanced Mobile Communication Systems, IEEE Communications Magazine, Februar 2010

[10] Honglin Hu, Jian Zhang, Xiaoying Zheng, Yang Yang, Ping Wu. Self-Configuration and Self-Optimization for LTE Networks, IEEE Communications Magazine 

 


zurück zur Artikel-Übersicht