Sich auf die Stärken des Kleinen besinnen:

das Erfolgsrezept für das Saarland 

 

Interview der switch!-Redaktion mit Dr. Christoph Hartmann

  

Wirtschaftspolitiker sind derzeit nicht zu beneiden. Sparen heißt das Gebot der Stunde – und dennoch darf das zarte Pflänzchen Konjunktur nicht leiden. Eine wahre Herkulesaufgabe, insbesondere angesichts der von der Föderalismuskommission Anfang 2009 beschlossenen Schuldenbremse sowie der Sparpläne der Bundesregierung. Der switch!-Redaktion hat Dr. Christoph Hartmann, Wirtschaftsminister des Saarlandes, verraten, wo die Chancen für das kleinste Flächenland der Republik liegen.

 

switch! Herr Dr. Hartmann, das Saarland hat gewaltige Aufgaben zu bewältigen. Einerseits müssen strikte Sparvorgaben eingehalten werden. Andererseits gilt es, die saarländische Wirtschaft zu unterstützen und den strukturellen Wandel weiter zu fördern. Sie sind derzeit wahrlich nicht zu beneiden.

 

Dr. Hartmann In der Tat stehen wir vor bis dato nicht gekannten Herausforderungen. Doch gerade in dieser Situation wäre es völlig falsch zu resignieren. Wer jetzt die eigenen Stärken und Vorteile erkennt und trotz widriger Umstände herausstellt, geht als Sieger aus der letzten Krise hervor.

 

switch! Ganz konkret: Auf welche Stärken kann das Saarland jetzt setzen?

 

Dr. Hartmann Auf den ersten Blick nehmen sich die Möglichkeiten unseres Bundeslandes im Vergleich zu unseren großen Nachbarn im Norden, Osten und auch Westen bescheidener aus. Das Saarland ist klein. Aber auch extrem wendig. Während Entscheidungen andernorts in langwierigen Prozessen getroffen werden, handeln wir an der Saar bereits. Kurze Wege und die starke Vernetzung aller relevanten Akteure sind ein echtes Plus des Saarlandes. Hinzu kommen weiche Faktoren wie die erstklassige Lebensqualität, um die man uns bundesweit beneidet. Mit unserer Standortpolitik unterstützen wir Unternehmen an der Saar und fördern neue Ansiedlungen.

 

switch! Dafür zeichnet die Landesregierung verantwortlich, allen voran Ihr Ministerium. Welche Rahmenbedingungen kann die Politik jetzt schaffen?

 

Dr. Hartmann Unsere Aufgabe ist es, die Wirtschaft im Saarland aktiv zu fördern. Dabei stehen kleine und mittlere Unternehmen besonders im Fokus unserer Maßnahmen. Mit der Novellierung des Mittelstandsförderungsgesetzes wollen wir den saarländischen Mittelstand noch effektiver unterstützen. Zudem optimieren wir die Verkehrsinfrastruktur im Saarland weiter. Das neue Teilstück der B 269 zwischen Saarlouis-Lisdorf und St. Avold etwa verbessert die Anbindung an den französischen und südwesteuropäischen Markt für saarländische Unternehmen deutlich. Hier wurden insgesamt 73 Millionen Euro investiert.

Aber auch das Thema Energie steht auf unserer Agenda ganz weit oben. Insbesondere im Bereich der sauberen, regenerativen Energien schaffen wir hier Entwicklungsmöglichkeiten im Saarland. Zudem fördern wir weiterhin innovative Betriebe. Dazu gehören Unternehmen, die das saarländische Erbe verkörpern, wie der Saarstahl-Konzern, der jetzt mit der Saarschmiede ein echtes Vorzeigeprojekt mit Zukunftspotenzial realisiert hat.

Daneben sehen wir die Chancen des Saarlandes nach wie vor in Zukunftstechnologien wie Nano- und Biotechnologie sowie in der IT.

 

switch! Das Saarland verfügt an der Universität des Saarlandes mit der Informatik und zahlreichen weiteren mit ihr in Zusammenhang stehenden Instituten über eines der weltweit renommiertesten Informatikzentren. Wie profitiert das Land in wirtschaftlicher Hinsicht von dieser Tatsache?

 

Dr. Hartmann Der exzellente Ruf, den unsere Informatik weltweit genießt, führt dazu, dass sich namhafte Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit eigenen Instituten an der Universität des Saarlandes engagieren. Namentlich sind dies Intel, das Max-Planck-Institut für Informatik sowie das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme. Dies lockt weitere Spezialisten an die Saar, die ihren Teil zur weiteren Aufwertung des Standorts beitragen. Zudem ist die Informatik ein Inkubator für neue Unternehmen im Zukunftsfeld ITK, die erstklassige und innovative Produkte entwickeln. Die consistec GmbH ist ja das beste Beispiel dafür. Doch wir dürfen uns auf unseren Erfolgen nicht ausruhen, denn wir können noch besser werden. Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft müssen enger verzahnt werden und die Wertschöpfung durch eine engere Zusammenarbeit optimiert werden. Auch hier liefert consistec ein gutes Beispiel: mit dem vom BMWi geförderten FuE-Projekt ADANIAN, das gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz auf den Weg gebracht wurde.

 

switch! Herr Dr. Hartmann, vielen Dank für das Gespräch.  



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