Burnout in der IT-Branche

von Anne Glauben

 

1973 verwendete der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger erstmals den Begriff Burnout, um den auffällig hohen Krankenstand bei Angehörigen der „Helfenden Berufe“ – also von Ärzten, Pflegern etc. – zu untersuchen und zu beschreiben. Seither hat der Begriff Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gehalten, um das Ausbrennen von Mitarbeitern und den damit verbundenen Leistungsabfall sowie eine Vielzahl von Problemen der Betroffenen zu beschreiben.

Die am Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung e.V. (RISP) beschäftigte Germanistin Ursula Kreft hat sich im Rahmen ihrer Arbeit für das Projekt „Präventiver Gesundheitsschutz in der IT-Branche“ mit dem Burnout beschäftigt. Das Projekt wird vom RISP an der Universität Duisburg-Essen in Kooperation mit dem Berufsfortbildungswerk des DGB (bfw) Ruhr durchgeführt. Ziel des Vorhabens ist es, mit Partnern aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften und Weiterbildungsträgern Investitionsstrategien für einen präventiven Gesundheitsschutz in der ITBranche zu entwickeln. Mit dem Ergebnis von Krefts Arbeit, einem ITG-Arbeitspapier 2/08, it Fokus Gesundheit mit dem Titel „Burnout in der IT-Branche“ wollen wir uns heute beschäftigen.

 

Was ist Burnout und welche Anzeichen deuten auf einen Burnout hin?

Burnout bedeutet laut Duden: Ausgebrannt sein, sich erschöpft fühlen. Er bezeichnet ferner eine anhaltende, auf die Arbeit bezogene negative psychische Verfassung. Im Anfangsstadium zeigen sich typische Symptome wie chronische Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Pfeifen auf den Ohren. Betroffene haben das Gefühl, alle körperlichen und seelischen Reserven verbraucht zu haben. Ihre Erschöpfung wird von erheblichen Leiden und der Befürchtung begleitet, den Anforderungen der Arbeit zunehmend weniger gerecht werden zu können. In vielen Fällen wird Burnout auch von allmählich schlimmer werdenden körperlichen Beschwerden begleitet.

Oftmals ist Burnout die Folge von verlängertem, bzw. nicht bewältigtem Arbeitsstress. Meist beginnt er mit harmlos wirkenden Warnsignalen, die auch bei starkem Stress vorübergehend auftreten können. Ihre Zahl und die Intensität der Symptome nimmt jedoch immer mehr bis zum völligen Verlust der Arbeitsfähigkeit zu.

 

 

Ursula Kreft unterscheidet im ITG Arbeitspapier 2/08 drei Dimensionen des Burnout:

 

Dimension 1: Emotionale und physische Erschöpfung

Betroffene fühlen sich ständig erschöpft und ausgelaugt, hinzu kommt ihre Unfähigkeit, sich zu erholen. Selbst nach einem Urlaub fehlen ihnen bald wieder jegliche Kraft und Energie. Der Gedanke an ein neues Projekt löst Beklemmung und Angst aus. Betroffene leiden unter Schlafstörungen, sie fühlen sich so angespannt, dass auch für private Aktivitäten keine Kraft mehr bleibt. Hinzu kommen körperliche Symptome wie Erkältungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magenbeschwerden und Schwindelgefühle.

 

Dimension 2: Zynismus, Demoralisierung, Entfremdung


Subjektiv ständig unter Druck und gereizt begegnen Burnout-Betroffene den Anforderungen am Arbeitsplatz mit Feindseligkeit. Gegenüber Kollegen, Freunden und Partner ziehen sie sich immer mehr zurück; entwickeln sogar eine zynische Haltung gegenüber Kunden und Kollegen. Wissentlich wird die eigene Gesundheit ruiniert, werden Aufputschoder Beruhigungsmittel eingenommen oder die Flucht in den Alkohol gewählt.

 

Dimension 3: Verfall des Engagements für die Arbeit und Gefühl der Ineffizienz

Ein erstes Anzeichen für ein beginnendes Burnout ist das Nachlassen der Einsatzbereitschaft: Die Begeisterungfür neue Aufgaben und die Freude an der Arbeit werden immer seltener. Der Grund: Betroffene fühlen sich den Anforderungen im Job nicht mehr gewachsen. Ihre Motivation und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gehen verloren. Die Anteilnahme am Arbeitsgeschehen geht verloren.

 

 

 

Burnout! Ich auch?

 

Im Internet werden eine ganze Reihe von Online Tests zum Burnout angeboten. Die meisten erweisen sich jedoch als wenig hilfreich oder sogar als komplett unbrauchbar. Der Grund: Die überwiegende Anzahl der Tests ist häufig standardisiert und sehr eindimensional. Einen recht differenzierten Online-Test bietet jedoch die Techniker Krankenkasse (TK) an. Ebenso zur Orientierung gut geeignet findet man einen Online-Test unter www.burnoutnet.at, eine österreichische Plattform. Hier findet man verständliche Informationen zum Burnout, zu den Frühzeichen und zu therapeutischer Unterstützung sowie, im Falle der TK, konkrete Entspannungsmethoden.

Doch auch brauchbare Selbst-Tests haben Nachteile. Sie richten den Blick meist nur auf die Person. Wichtige Faktoren wie die Arbeitsbedingungen, das soziale Umfeld, in dem die Menschen arbeiten oder die Form der Arbeitsorganisation bleiben außen vor. Dadurch besteht die Gefahr, dass Betroffene die Schuld am Burnout in erster Linie bei sich selbst suchen. Eine nach dem aktuellen Stand der Forschung völlig falsche Annahme.

 

Ist jeder selbst Schuld?

Über die möglichen Ursachen des Burnout wird in der Forschung immer noch gestritten. Ein Teil geht davon aus, dass das Individuum eine Veranlagung zum Burnout in sich trägt: Burnout gefährdet sind danach Personen, die mit großem Idealismus, hohen Ansprüchen und Erwartungen in ihren Beruf gehen. Dem stehen Studien gegenüber, die gerade ein vielseitiges Engagement in verschiedenen Lebensbereichen als wirksamsten Burnout-Schutz sehen und zudem feststellen, dass jeder Berufstätige von Burnout betroffen sein kann. Andere Theorien sehen den Burnout als Ergebnis eines übermäßigen, lang andauernden Verschleißes der Ressourcen. Der betroffene Mensch verbraucht seine Energiereserven, ohne für einen „Energienachschub“ zu sorgen und so neue Ressourcen aufzubauen.

Ein weiterer Teil der Forschung sieht die Ursachen für Burnout primär im Arbeitsumfeld, in den Arbeitsbedingungen und der Arbeitsorganisation – und damit weniger im Verhalten des Einzelnen.

Eine wachsende Kluft zwischen den Bedürfnissen des Menschen und den Anforderungen an moderne Arbeitsplätze trägt demnach zum Burnout bei – Ursachen dafür sind:

  • eine dauerhafte Arbeitsüberlastung: „Arbeit ohne Ende“
  • Mangel an Kontrolle über die eigene Arbeit: „starre Vorgaben, Zeitdruck“
  • unzureichende Belohnung: „Arbeit bringt nichts mehr“
  • Zusammenbruch der Gemeinschaft am Arbeitsplatz: „aus einem eingespielten Team werden Einzelkämpfer“
  • fehlende Fairness: „Vertrauen, Respekt und Offenheit fehlen“
  • widersprüchliche Vorgaben und Werte

 

 

Stop! Schluss mit dem Burnout

 

Arbeitsstress ist ein betriebliches Problem, egal wie sich der einzelne Mitarbeiter dazu verhält. Es sollte daher nicht nur gefragt werden „Was macht bei der Arbeit krank?“ sondern auch „Was hält bei der Arbeit trotz Stress gesund?“ Gute Ausgangspunkte hierfür sind: verbindliche Arbeitszeitregelungen, festgelegte Pausen- und Erholungszeiten zum Auftanken und die Form der innerbetrieblichen Kommunikation, um negative Belastungen am Arbeitsplatz in den Griff zu bekommen. Insbesondere im Kommunikationskontext lassen sich neue Ansätze zur Burnout-Prävention finden, beispielsweise Arbeitsgruppe „Gesundheit“, Teambesprechungen oder Ressourcenanalysen.

Neben den betrieblichen Strategien gegen Burnout ist jedoch auch der einzelne Arbeitnehmer gefordert. Ein persönliches Selbsthilfe-Programm ist bestens geeignet, das eigene körperliche und seelische Wohlbefinden zu stärken und das persönliche Arbeitsverhalten zu prüfen.

 

HIER EINIGE TIPPS:

  • Allgemein sollte jeder die Ressource „Ich“ sichern und vermehren.
  • Pausen und Freizeiten sind wichtig und wertvoll. Eine kontinuierliche Arbeitsauslastung von über 100% ist auf Dauer gefährlich.
  • Bei ersten Anzeichen von Burnout offen mit KollegInnen und Freunden über Stress und Überarbeitung sprechen.
  • In akuten Situationen: Sobald wie möglich mit einem Arzt sprechen.

 

 

Entsprechend ist sich die consistec Geschäftsführung ihrer Verantwortung bewusst. Das Ergebnis: Eine Vielzahl von Maßnahmen und Angeboten, die der körperlichen und seelischen Gesundheit dienen.

Im Fokus der Philosophie der consistec zum Umgang mit und Einbindung von Mitarbeitern ins Unternehmen steht insbesondere die Identifikation des einzelnen Mitarbeiters mit seinem Arbeitsplatz und seinem Arbeitgeber. Nur wer ganz bewusst als Teil eines Ganzen agiert, kann in von Stress und Unruhe geprägten Phasen positive Energien freisetzen. Diese münden anschließend in ein gemeinsames Miteinander zur Erreichung des jeweiligen Zieles. Dazu sollten diese Phasen von den Mitarbeitern erfahrungsgemäß nicht als stressig erlebt sondern als Herausforderung für das Team wahrgenommen werden. Auf diese Weise können sich alle Teammitglieder motivieren und sogar Spaß an der Lösung komplexerer Aufgabenstellungen entwickeln – idealerweise mit dem abschließenden Gefühl, etwas Besonderes geleistet zu haben und den verdienten Lohn der Arbeit ernten zu können.

Weiterhin hatten consistec-Mitarbeiter bereits Gelegenheit, in einer aktiven Mittagspause bei Wing Tsun und Tai Chi auf Firmenkosten zu entspannen und Körper und Geist zu stärken. Jeden Freitag besteht die Möglichkeit zu einer Massage am Arbeitsplatz.

Darüber hinaus sind die consistour und regelmäßige Unternehmenstage feste Termine in der Jahresplanung der consistec. Diese Veranstaltungen dienen der Entspannung, Stärkung des Teamgeistes und der innerbetrieblichen Kommunikation. Auf diese Weise soll ein Gegengewicht zu dem der täglichen Arbeit immanenten Druck und der Belastung gebildet werden und der menschliche Umgang miteinander gefördert werden.

 

Fazit: Burnout-Prävention im Betrieb


Die betriebliche Vorbeugung gegen Burnout sollte zwei Ebenen berücksichtigen:

  • In erster Linie sollen Arbeitsbedingungen geschaffen werden, unter denen die Identifikation mit der Arbeit leicht möglich und deren Sinnhaftigkeit klar erkennbar wird. Dies beinhaltet auch eine Teilhabe und Einbindung der Mitarbeiter in alle relevanten Unternehmensprozesse. Teamgeist und ein Wir-Gefühl sind die lohnenden Ergebnisse, die wirksam vor Burnout schützen.
  • Zugleich sollen „gesundheitsförderliche“ Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Auf diese Weise haben Mitarbeiter die Chance ihr Leistungsvermögen zu sichern und neu aufzubauen – für ein wertvolles „Energiepolster“ gegen den für das Arbeitsumfeld typischen Stress.

 

Quelle:


Burnout in der IT-Branche, Ursula Kreft, it Fokus Gesundheit, ITG-Arbeitspapier 2/08 

 

 


zurück zur Artikel-Übersicht