Spice up your Life

 

Positive Aggressionen für alle

von Anne Glauben

 

2005 sorgte der Kriminologieprofessor Dr. Jens Weidner im Bereich Businessliteratur für eine Überraschung: Sein Bestseller „Die Peperoni-Strategie“ (campus, 2005, Frankfurt am Main) belegte 33 Wochen lang Platz 1 des Bestseller-Rankings der Financial Times Deutschland und wurde von getAbstract zu einem der besten Wirtschaftsbücher 2005 gewählt.

 

Sein Appell an Angestellte und Manager: ihre natürliche Aggression wohl dosiert und dabei konstruktiv im Berufsleben einzusetzen – denn mehr Biss, mehr Power und mehr Durchsetzungskraft sind heutzutage seiner Meinung nach neben fachlicher Kompetenz die grundlegenden Erfolgsregeln für all jene, die sich dauerhaft
im Job bewähren wollen. Die von Jens Weidner formulierte Peperoni-Strategie liefert dazu die passenden Handlungsanweisungen.

Ob seine Strategie, die auf US-amerikanischen Methoden zum gezielten Aggressionsabbau bei Straftätern basiert, tatsächlich geeignet ist, Führungskräften in der heutigen Wettbewerbsgesellschaft das zum Bestehen nötige Maß positiver Aggression zu verleihen, soll in diesem Beitrag aus unserer Sicht kritisch hinterfragt werden.

 

Spice up your life – die acht Grundregeln der Peperoni-Strategie

 

Laut Weidner verleihen acht Grundregeln den Lesern seines Buches einen seriösen und soliden Einstieg in die Welt der Durchsetzungsstärke, helfen Managern ihren Alltag bissiger zu gestalten und etwas für ihre Psychohygiene zu tun.

 

1. Setzen Sie sich mit Power durch, um Gutes zu tun!

Wer sich mit Freude durchboxen will, braucht den Glauben an die eigenen guten Ziele. Wenn man den hat, lohnt sich der Kampf für einen selbst und für das Unternehmen.

 

2. Unterlassen Sie chancenlose Kraftproben!

Prüfen Sie Ihre Gewinnchancen, bevor Sie einen Kampf beginnen. Ein Einstieg lohnt ab einer Chance von 51 zu 49 Prozent. Der Autor selbst bevorzugt jedoch Kämpfe, die bereits im Vorfeld eine deutlich höhere Chance von bis zu 70 Prozent versprechen.

 

3. Positionieren Sie sich!

Nicht warten, bis Sie gefragt werden, verschaffen Sie sich stattdessen unaufgefordert, aber nicht aufdringlich Gehör! Sie könnten sonst ignoriert werden – besonders, wenn Sie klug sind und wirklich etwas zu sagen haben. Denn in diesem Fall besteht das berechtigte „Risiko“, dass Ihre klugen Kommentare andere alt aussehen lassen. Leider ertragen nur ganz souveräne Zeitgenossen die Brillanz anderer.

 

4. Meiden Sie Nörgler, Loser und Bedenkenträger!

Wer sich mit den nörgelnden Zeitgenossen umgibt, wird früher oder später mit deren negativen Eigenschaften assoziiert. Sie dauerhaft einzubeziehen und ihnen Zuspruch zu geben, hilft denen nicht aus ihrer unglücklichen und demotivierenden Rolle heraus. Es schadet aber Ihrem eigenen Image – denn: Sie vermitteln nicht den Eindruck von Hilfsbereitschaft, sondern von Solidarität mit den ewig Jammernden.

 

5. Pflegen Sie Ihre Nehmerqualitäten!

Wer sich durchsetzen will, stößt unvermeidlich auf Widerstand – auch auf solchen der harten Art. Das kann schmerzhaft sein, weil diese Gegenwehr bevorzugt auf die Schwachstellen zielt. Lassen Sie sich davon nicht irritieren, denn es ist Teil des Machtspiels.

 

6. Perfektionieren Sie Ihre Abwehrrhetorik!

Verbale Angriffe kommen naturgemäß unerwartet. Der Angreifer hofft auf den „Überrumpelungseffekt“, um Sie kalt zu erwischen. Legen Sie sich daher vorbeugend mehrere rhetorische Spitzfindigkeiten zurecht, mit denen Sie sich Luft und Zeit verschaffen können.

 

 

7. Reagieren Sie sofort auf negative Gerüchte, die über Sie kursieren!

Wenn Ihnen Anspielungen und Verleumdungen über Sie zu Ohren kommen, müssen Sie schnell reagieren! Noch bevor Sie von den Gerüchten erfahren, hat bereits die ganze Abteilung davon gehört. Es ist also überaus wichtig, dass Sie sich sofort dagegen wehren, denn – und das macht die Brisanz aus – Gerüchte schwächen Ihre Position, und es bleibt meistens etwas hängen.

 

8. Führen Sie regelmäßig eine Gegenspieleranalyse durch!

Fragen Sie sich in regelmäßigen Abständen, wer Sie im Team immer anlächelt, faktisch aber gegen Sie agiert, indem er blockiert, vieles in Frage stellt oder Sie in eine schlecht besetzte und zerstrittene Arbeitsgruppe manövriert, die es schafft, auch die beste Idee zu Grabe zu tragen. Solche Zeitgenossen sollten Sie auf Distanz halten.

 

 

Was wir davon halten:

 

Grundsätzlich scheint der Einsatz von Aggression kein probates Mittel, dauerhaft erfolgreich zu sein – gerade da, wo Menschen täglich zusammen und miteinander arbeiten und als Team erfolgreich agieren sollen. Respekt, Offenheit, Toleranz, Kollegialität und Wachsamkeit gepaart mit guter Leistung und Motivation scheinen hier erfolgversprechender – selbst in einem stark wettbewerbsorientierten Umfeld.

 

Aggression in ihrer üblichen Deutungs- und Verwendungsweise haftet etwas Negatives an und zieht häufig auch negative Konsequenzen nach sich. Denn ihr wohnt ein zerstörerisches Element inne, das konträr zu einem zielgerichteten, teamorientierten Miteinander steht. Dissonanzen zwischen Mitarbeitern schwächen die Leistung des Einzelnen und der Gruppe. Auf Dauer wirken sie sich schädlich auf ein ganzes Unternehmen und seine Erfolge aus.

 

Offenheit, ein starkes Wir-Gefühl, gemeinsame Ziele und innerbetriebliche
Strategien zur aktiven Konfliktbewälti-gung liefern hier zunächst einen erfolgversprechenderen Ansatz, der destruktiven Kraft einer herrschenden Ellenbogenmentalität Einhalt zu gebieten. Für den einzelnen Mitarbeiter auf jeder Stufe eines Unternehmens erscheinen diese im Berufsalltag jedoch häufig zu abstrakt und zu weit weg. Hier kommt es auf schnelle, situative, dabei aber positive Handlungsmuster an, die in unterschiedlichen Alltagsszenarien erfolgreich zum Einsatz kommen können.

 

Eine positive Aggression, verantwortungsvoll und dosiert zur richtigen Zeit
eingesetzt, hat damit ihre Daseinsberechtigung. Vorausgesetzt sie wird gezielt zur
Abwehr von Neidern und offensichtlichen Widersachern und damit zur Verteidigung und Stärkung der zu Unrecht in Gefahr geratenen eigenen Position eingesetzt. Um unnötige Machtspiele im kollegialen Umfeld zu eigenen Gunsten für sich zu entscheiden, ist sie jedoch nicht legitim anwendbar. Zu diesem Sachverhalt schreibt Weidner dann auch folglich richtig: „… es [ist] von zentraler Bedeutung, dass Sie sich gegen die Richtigen behaupten und nicht Machtspiele mit Menschen ausagieren, die kollegial und einsichtig sind und mit denen Sie in einem ganz normalen Gespräch zu einer konstruktiven Lösung gelangen können. Diese Mitarbeiter und Kollegen sollten in den Genuss Ihrer 80 Prozent wohl schmeckenden Paprikasanftheit kommen. Die scharfen 20 Prozent bleiben für Ihre Widersacher reserviert!“

 

 

Und – wie wir es machen:

 

Gutmenschentum funktioniert leider nicht immer – heutzutage in immer geringerem Ausmaß. Darum sagen wir „Ja“ zur Durchsetzungsstärke in Gestalt positiver Aggression. Der Ellenbogenkarriere erteilen wir bei consistec jedoch eine klare Absage. Ein Mix aus Leistung, Sympathie, Empathie und offenem Dialog prägt unsere Unternehmenskultur. Dabei sehen wir Fairness, Teamgeist und Glaubwürdigkeit als die relevanten Arbeits- und Beziehungsaspekte an. Die Peperoni-Strategie ist sicher, richtig und verantwortungsbewusst eingesetzt, ein probates Mittel dagegen, dass sich Angestellte und Führungskräfte, die ihre Peperoni Anteile positiv nutzen, nicht selbst zu „Everybody’s Darling, Everybody’s Depp“ machen. Aber davon handelt ein anderes Buch aus dem campus-Verlag.

 

 

Zur Peperoni-Strategie

 

Mitte der 1980er Jahre lernte Professor Dr. Jens Weidner im Rahmen seines Studiums neue und höchst erfolgreiche US-amerikanische Methoden im Umgang mit jugendlichen Straftätern kennen.

Er war von diesem Konzept des gezielten Aggressionsabbaus so überzeugt, dass er es auf deutsche Verhältnisse zuschnitt und im Jugendstrafvollzug mit Gewalttätern erfolgreich umsetzte.

1993 erhielt Weidner eine Anfrage, ob es auch möglich sei, Aggressionen gezielt auf- statt abzubauen, da viele hoch qualifizierte Führungskräfte nicht in der Lage seien, ein Team mit nur zehn Leuten zu führen. Sie bräuchten Biss, Power und vor allem mehr Durchsetzungsstärke. Die Idee für die Peperoni-Strategie war damit geboren.

Ihren Namen verdankt die Strategie der Tatsache, dass Professor Weidner Führungskräften den Weg zu einem schärferen, würzigeren und erfolgreicheren Berufsalltag aufzeigen wollte.

Der ideale Botschafter dafür:
die Peperoni – Sinnbild für Feuer, Schärfe und Aggressivität.

 



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